Roland Kaisers wilde Beichte: Die „verbotene“ Spritztour, die ihn zur Polizeiwache brachte
Roland Kaiser – dieser Name steht wie kein zweiter für Eleganz, Grandezza und eine unerschütterliche Souveränität im deutschen Schlager. Er ist der Gentleman, der Grandseigneur, dessen Lieder von unsterblicher Liebe, Sehnsucht und manchmal auch von Schmerz erzählen. Sein Auftreten ist stets tadellos, seine Worte wohlüberlegt. Doch hinter dieser polierten Fassade des Erfolgs verbirgt sich ein Mann, dessen Weg zum Ruhm alles andere als geradlinig war. In einem seltenen Moment der Offenheit gewährte der Kaiser nun einen Einblick in eine Zeit, lange bevor er die großen Bühnen eroberte – eine Zeit der jugendlichen Rebellion, der „verbotenen Sachen“ und einer waghalsigen Aktion, die ihn direkt auf die örtliche Polizeiwache führte.
Um diese unglaubliche Anekdote zu verstehen, muss man in die Vergangenheit reisen, ins Berlin der Nachkriegszeit. Roland Kaiser, als Ronald Keiler geboren, wuchs unter bescheidenen, teils prekären Verhältnissen bei einer Pflegemutter auf. Es war eine Jugend, die ihn früh lehrte, für sich selbst zu kämpfen und Träume zu haben, die größer waren als die engen Gassen des Wedding. Nach der Schule absolvierte er eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Tagsüber verkaufte er solide deutsche Wertarbeit, doch in ihm schlummerte ein unbändiger Drang nach mehr – nach Abenteuer, nach dem Gefühl von Freiheit.
Und genau hier, im Umfeld von glänzendem Chrom und dem Geruch von Benzin, nahm die Geschichte ihren Lauf. „Man macht ja als junger Mensch Dinge, die eigentlich verboten sind“, beginnt Kaiser seine Beichte mit einem verschmitzten Lächeln, das verrät, dass er diese Erinnerung auch heute noch mit einer Mischung aus Reue und Stolz betrachtet. Der jugendliche Roland hatte einen kühnen, fast schon dreisten Plan gefasst. Seine damalige Chefin fuhr einen VW Käfer – das Symbol des Wirtschaftswunders, ein Auto, das für den jungen Angestellten unerreichbar schien.
„Ich wusste, wo der Ersatzschlüssel für das Auto meiner Chefin lag“, erzählt er. Die Versuchung war einfach zu groß. In einer Nacht, als die Vernunft dem jugendlichen Leichtsinn wich, schlich er sich ins Büro, griff nach dem Schlüssel und startete den Käfer zu einer nächtlichen Spritztour durch die noch geteilte Stadt. Es war mehr als nur eine illegale Autofahrt. Es war ein Ausbruch aus dem Alltag, ein Moment gestohlener Freiheit, in dem er sich für ein paar Stunden wie der König der Welt fühlen konnte.
Doch das Schicksal, oder besser gesagt die deutsche Gründlichkeit, hatte andere Pläne. „Was ich nicht wusste, war, dass meine Chefin, eine sehr korrekte Dame, jeden einzelnen Kilometerstand penibel in einem Fahrtenbuch notierte“, fährt Kaiser fort. Die Freude über das nächtliche Abenteuer verflog jäh am nächsten Morgen. Die Chefin bemerkte die Diskrepanz sofort. Wenige Kilometer nur, aber genug, um den unerlaubten Ausflug zu entlarven.
Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten. Statt einer Standpauke im Büro fand sich der junge Roland Kaiser plötzlich auf der Polizeiwache wieder. Seine Chefin hatte ihn ohne Umschweife angezeigt. „Da saß ich dann, einem Polizeibeamten gegenüber, und musste meine Dummheit zugeben“, erinnert er sich. Die Welt des Schlagers, ausverkaufte Konzerthallen und Millionen von Fans waren in diesem Moment unendlich weit entfernt. Es war ein harter Aufprall in der Realität, ein Moment der Demütigung, der ihn jedoch nachhaltig prägte. Die Anzeige wurde später fallen gelassen, doch die Lektion hatte er gelernt.
Diese Geschichte ist weit mehr als nur eine lustige Jugendsünde. Sie ist ein Fenster in die Seele eines Mannes, der sich seinen Erfolg hart erarbeiten musste. Sie zeigt den unbedingten Willen, Grenzen zu überschreiten und das Leben in seiner vollen Intensität zu spüren – ein Charakterzug, der ihn später auch als Künstler auszeichnen sollte. Er war nie der stromlinienförmige Sänger, der nur gefällige Melodien produzierte. Seine Texte hatten oft eine tiefere, melancholische Ebene, sie erzählten von Brüchen und unerfüllten Wünschen.
Vielleicht war es genau diese Mischung aus bürgerlicher Fassade und innerem Drang nach Freiheit, die ihn für sein Publikum so authentisch und nahbar macht. Er kennt beide Seiten des Lebens: die bescheidenen Anfänge und den glanzvollen Erfolg. Er weiß, wie es sich anfühlt, Regeln zu brechen und die Konsequenzen zu tragen. Diese Lebenserfahrung fließt in seine Musik und seine Bühnenpräsenz ein und verleiht ihm eine Tiefe, die viele seiner Kollegen vermissen lassen.
Heute, nach 50 Jahren auf der Bühne und mit über 90 Millionen verkauften Tonträgern, kann Roland Kaiser über diese Episode lachen. Sie ist Teil seiner Biografie, ein Mosaikstein in einem reichen und bewegten Leben. Sie erinnert ihn und seine Fans daran, dass auch Legenden einmal klein angefangen haben und dass der Weg zum Gentleman nicht immer geradlinig verläuft. Manchmal führt er eben auch über eine nächtliche Spritztour und einen unfreiwilligen Besuch auf der Polizeiwache.