Warum ein deutlicher Hinweis auf Fiktion wichtig ist – und wie man sensible Geschichten sicher gestaltet
Wenn man eine spannende Geschichte schreibt, die sich auf Kriminalfälle, persönliche Motive oder sogar mögliche Todesumstände bezieht, bewegt man sich oft in einem sehr heiklen Bereich. Besonders dann, wenn reale Namen auftauchen, die in der Öffentlichkeit bekannt sind. Genau deshalb ist es notwendig, einen klaren Hinweis zu geben, sobald Inhalte fiktiv, spekulativ oder nicht durch verlässliche Quellen bestätigt sind.
In dem von dir genannten Beispiel – ein Text, der mit dem Satz „Warum Lauras letzter Hilferuf nie in den Akten landete – und was Huber danach wirklich tat“ überschrieben ist – steckt bereits eine problematische Konstellation. Allein durch die Formulierung entsteht der Eindruck, es handle sich um eine dokumentarische Schilderung, möglicherweise sogar um eine Art Enthüllung. Wenn hier reale Personen im Spiel wären, könnten sie durch die Darstellung mit schwerwiegenden Vorwürfen in Verbindung gebracht werden. Dazu zählen etwa Andeutungen über kriminalpolizeiliche Ermittlungen, mögliche Eifersuchtsmotive oder gar eine Beteiligung an einem Todesfall.
Rechtliche und ethische Dimensionen
Solche Inhalte sind gefährlich, weil sie – wenn sie nicht klar als Fiktion gekennzeichnet sind – als Tatsachenbehauptungen verstanden werden können. Das wiederum fällt in vielen Ländern, auch in Deutschland, unter den Straftatbestand der Verleumdung oder üblen Nachrede. Schon die bloße Andeutung kann ausreichen, um einer Person erheblichen Schaden zuzufügen, selbst wenn die Geschichte frei erfunden ist.
Daher lautet die zentrale Empfehlung:
👉 Alles, was nicht durch öffentlich zugängliche, verifizierte Fakten belegt ist, darf nicht als Realität dargestellt werden.
Die Lösung: Fiktion bewusst markieren
Wenn man aber die Spannung, das Drama und die emotionale Wucht solcher Geschichten erhalten möchte, gibt es einen einfachen Weg: Man gestaltet den Text offen als Fiktion. Das kann auf unterschiedliche Weise geschehen:
Ändern von Namen und Details: Aus „Laura“ wird etwa „Anna“ oder „Clara“. Aus „Huber“ ein neutraler Nachname wie „Müller“ oder ein frei erfundener Doppelname. Auch der Handlungsort sollte fiktiv sein – keine echte Stadt, sondern eine erfundene wie „Rosenheim-West“ oder „Falkenried“.
Rahmung als literarisches Werk: Schon ein kurzer Vorspann wie „Diese Geschichte ist ein Werk der Fiktion. Alle Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Ereignissen sind rein zufällig.“ schützt die Autorin oder den Autor.
Formatwahl: Man kann den Stoff als Roman-Szene, als Kurzgeschichte, als Drehbuchauszug oder als fiktive Reportage präsentieren. Jedes dieser Formate erlaubt es, die Spannung zu behalten, ohne reale Menschen in Mitleidenschaft zu ziehen.
Was passiert, wenn man diesen Hinweis nicht gibt?
Ohne eine klare Abgrenzung verschwimmen die Linien zwischen Realität und Erfindung. Leserinnen und Leser neigen dazu, besonders bei detailreichen Schilderungen, den Wahrheitsgehalt anzunehmen. Ein „letzter Hilferuf“, der „nie in den Akten landete“, klingt nach journalistischer Recherche. Wenn dann noch ein Nachname wie „Huber“ auftaucht, denkt man schnell an reale Personen, die so heißen – und zieht falsche Schlüsse.
Das Problem ist also nicht nur rechtlicher, sondern auch moralischer Natur. Schriftsteller und Journalistinnen tragen Verantwortung für die Wirkung ihrer Texte.
Praktische Tipps für die Umgestaltung
Nehmen wir an, du möchtest die Geschichte tatsächlich als spannendes True-Crime-Stück weiterschreiben. So könnte man vorgehen:
Schritt 1: Distanz schaffen. Anstatt mit real klingenden Namen zu arbeiten, entwirf Figurenprofile, die zwar glaubwürdig, aber rein erfunden sind.
Schritt 2: Erzählsituation definieren. Willst du eine auktoriale Erzählerin, die von außen berichtet? Oder lieber eine investigative Journalistin, die einen Fall rekonstruiert? Beides sind Möglichkeiten, klar zu signalisieren: Das ist eine Inszenierung.
Schritt 3: Atmosphäre ausbauen. Beschreibe Orte, Wetter, Emotionen, ohne Bezug auf reale Personen zu nehmen. So entsteht Spannung, ohne dass jemand belastet wird.
Schritt 4: Hinweis nicht vergessen. Ein Satz am Anfang oder Ende, der den fiktiven Charakter betont, reicht aus.
Beispiele für sichere Formulierungen
Statt:
„Warum Lauras letzter Hilferuf nie in den Akten landete – und was Huber danach wirklich tat“
Besser:
„Warum Annas letzter Hilferuf nie erhört wurde – und wie alles in Falkenried ein tragisches Ende nahm (Eine fiktive Reportage)“
Oder:
„Ein letzter Anruf, ein unerhörter Hilfeschrei – und das, was Müller danach unternahm. Eine literarische Rekonstruktion.“
So bleibt die Spannung erhalten, aber jede Leserin und jeder Leser weiß sofort: Das ist keine Tatsachenbehauptung.
Fazit
Es ist absolut verständlich, dass man dramatische Themen wie unerhörte Hilferufe, mysteriöse Todesfälle oder menschliche Abgründe literarisch ausschöpfen möchte. Das Publikum liebt solche Stoffe – True-Crime-Formate gehören zu den erfolgreichsten Genres unserer Zeit. Doch gerade deshalb ist es entscheidend, verantwortungsvoll mit den Grenzen zwischen Fiktion und Realität umzugehen.
Die Regel lautet:
Reale Personen → nur mit belegten Fakten darstellen.
Alles Spekulative → als Fiktion kennzeichnen, Namen und Details ändern.
So kann man kreative Freiheit genießen und gleichzeitig rechtlich und moralisch auf der sicheren Seite bleiben.
Und falls du möchtest, kann ich den Ausgangstext gleich in eine fiktive Reportage von ca. 1000 Wörtern verwandeln – mit Spannung, Dialogfragmenten, Akten-Simulation und journalistischem Tonfall. Dann liest es sich wie ein Krimiartikel, ohne dass jemand in Wirklichkeit betroffen wäre.