Ein Jahr nach dem TV-Beben: Kloeppels geheimes Leben in Florida und von der Groebens radikale Neuerfindung
Ein ganzes Jahr ist vergangen, seit die Lichter im Studio von „RTL Aktuell“ für zwei der bekanntesten Gesichter des deutschen Fernsehens zum letzten Mal ausgingen. Am 23. August 2024 nahmen Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben nach über drei Jahrzehnten gemeinsamer Bildschirmpräsenz Abschied – ein Moment, der in Millionen von Wohnzimmern für Gänsehaut und feuchte Augen sorgte. Es war mehr als nur der Ruhestand zweier Moderatoren; es war das Ende einer Ära. Doch während die Zuschauer den Verlust der vertrauten Gesichter betrauerten, begann für Kloeppel und von der Groeben ein völlig neues Kapitel – eines, das radikaler, überraschender und menschlicher nicht sein könnte.
Die letzte Sendung war ein emotionaler Marathon. Geplant als reguläre Nachrichtenausgabe, wurde sie zu einer rührenden Hommage, die das Programm sprengte. Tränen flossen, als Kollegen und Weggefährten das Duo mit einem Ständchen des Kölschen Klassikers „Niemals geht man so ganz“ überraschten. Es war ein passender Titel für einen Abschied, der zwar endgültig schien, aber, wie sich heute zeigt, nur der Anfang einer tiefgreifenden Transformation war. Sie, die als das am längsten amtierende Nachrichtenduo der Welt sogar einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde erhielten, stehen nun vor der Herausforderung, ihre größte Geschichte zu schreiben: ihr eigenes Leben, neu definiert und ohne Drehbuch.
Für Peter Kloeppel, den stets besonnenen und seriösen Anker der Nation, bedeutete der Ruhestand einen Sprung über den Atlantik. Er kehrte Deutschland den Rücken und zog mit seiner Frau Carol nach Florida. Der Grund war so einfach wie tiefgründig: die Nähe zur Tochter Geena, die in New York lebt. Der „Sunshine State“ wurde zur neuen Heimat, doch das Leben dort entpuppte sich als eine Mischung aus idyllischer Entspannung und unerwarteten Herausforderungen. Weit weg vom Rampenlicht ist er nicht mehr der Chefredakteur von RTL, sondern einfach nur noch „Peter from Germany“.
Sein neuer Alltag ist geprägt von einer Routine, die er sich selbst geschaffen hat. Früh aufstehen, Sport treiben – Tennis und Golf gehören zu seinen Leidenschaften – und, ganz untypisch für den einstigen Nachrichten-Junkie, ein täglicher Mittagsschlaf. Doch die Sehnsucht nach der alten Heimat meldet sich auf kulinarische Weise zu Wort. Kloeppel vermisst deutsches Brot und Brötchen so sehr, dass er selbst zum Bäcker geworden ist. In seiner amerikanischen Küche versucht er sich an Teig und Hefe, ein Unterfangen, das nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Es ist ein fast schon komisches Bild: Der Mann, der die Weltlage erklärte, kämpft nun mit der perfekten Kruste.
Doch das erste Jahr im Ruhestand brachte nicht nur sonnige Tage. Im Oktober 2024 zog ein verheerender Hurrikan über Florida hinweg und konfrontierte die Kloeppels mit der unberechenbaren Gewalt der Natur. Stundenlang harrten sie in ihrem Haus aus, hörten den Sturm toben und erlebten die unheimliche Stille im Auge des Zyklons. Es war eine Grenzerfahrung, die den ehemaligen Nachrichtenmann die Krisen, über die er so oft berichtet hatte, am eigenen Leib spüren ließ. Ein weiterer Schockmoment war ein Handbruch, den er sich zuzog – ein unglücklicher Vorfall, der ihn daran erinnerte, dass das Leben auch im Ruhestand seine eigenen, unvorhersehbaren Wendungen nimmt.
Während Kloeppel also das amerikanische Leben mit all seinen Facetten erkundet, hat Ulrike von der Groeben einen völlig anderen Weg eingeschlagen. Die impulsive, lebenslustige und stets energiegeladene Sportmoderatorin ist ihrer Heimat Köln treu geblieben, doch von Stillstand kann keine Rede sein. Sie hat die neu gewonnene Freiheit genutzt, um sich neu zu erfinden – als Buchautorin. Ihr Werk „Freiheit beginnt jetzt! Tipps für den Start in den (Un-)Ruhestand“ ist mehr als nur ein Ratgeber; es ist ein Manifest für eine Generation, die vor dem gleichen Umbruch steht. Sie teilt ihre eigenen Ängste, Hoffnungen und praktischen Ratschläge für den Übergang in einen Lebensabschnitt, der oft gefürchtet, aber voller Chancen ist.
Von der Groeben stürzte sich in das Projekt, führte Interviews mit Experten und verarbeitete ihre eigenen Erfahrungen. Das Schreiben in der Stille ihres Arbeitszimmers, dem ehemaligen Kinderzimmer ihrer Tochter, war ein starker Kontrast zu den lauten und geschäftigen Jahren im Großraumbüro von RTL. Sie genießt es, keinen starren Zeitplan mehr zu haben, spontan zu sein und mehr Zeit mit ihrem Mann, dem ehemaligen Judoka Alexander von der Groeben, zu verbringen. Ihr soziales Engagement, das ihr immer am Herzen lag, kann sie nun mit noch mehr Intensität verfolgen.
Was jedoch am meisten überrascht, ist die Entwicklung der Beziehung zwischen den beiden TV-Legenden. Über 30 Jahre lang saßen sie fast täglich nebeneinander im Studio, doch für private Treffen blieb kaum Zeit. „Working Husband“ nannte von der Groeben ihren Kollegen liebevoll. Heute, getrennt durch Tausende von Kilometern, pflegen sie einen engeren Kontakt als je zuvor. „Wir waren im letzten Jahr schon mindestens zweimal zusammen essen“, verrieten sie kürzlich in einer RTL-Doku. „Das ist mehr als früher.“ Diese Treffen, sei es in Deutschland oder den USA, sind Zeugnis einer tiefen Freundschaft, die über die professionelle Partnerschaft hinausgewachsen ist. Sie, die als Persönlichkeiten so unterschiedlich sind – er der ruhige Analytiker, sie der lachende Wirbelwind –, haben im gemeinsamen Abschied eine neue Ebene ihrer Verbindung gefunden.
RTL hat ihre Geschichte ein Jahr später in der Kurzdoku „Niemals geht man so ganz – Peter & Ulrike: Das Jahr danach“ nachgezeichnet. Für die Dreharbeiten kehrten beide an ihre alte Wirkungsstätte nach Köln zurück. Ein Moment, der sich anfühlte, „als wäre man gestern zuletzt hier gewesen“, so von der Groeben. Doch die Arbeit selbst vermissen beide nicht. Die Freiheit, die sie jetzt genießen, wiegt schwerer.
Ein Jahr nach dem emotionalen Abschied ist klar: Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben haben den Sprung in ein neues Leben nicht nur gewagt, sondern bravourös gemeistert. Sie zeigen, dass der Ruhestand kein Ende, sondern ein Anfang sein kann – eine leere Leinwand, die darauf wartet, mit neuen Farben, Abenteuern und Leidenschaften gefüllt zu werden. Kloeppel, der Hobbybäcker aus Florida, und von der Groeben, die Bestsellerautorin aus Köln, sind der lebende Beweis dafür, dass die aufregendsten Geschichten manchmal erst beginnen, wenn die Kameras ausgehen. Sie haben die Nachrichtenwelt verlassen, um selbst zur besten Nachricht zu werden: Das Leben ist unvorhersehbar, wandelbar und voller Möglichkeiten, wenn man den Mut hat, sie zu ergreifen.